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UBP in der Presse 07.06.2019

Gold ist eine gute Wahl, das Portfolio abzusichern

Gold ist eine gute Wahl, das Portfolio abzusichern

Finanz und Wirtschaft - Norman Villamin, CIO Private Banking der Union Bancaire Privée (UBP), rät Investoren, Marktrisiken mit asymmetrischen Anlagestrategien zu begegnen.


Herr Villamin, sehen Sie einen Ausweg aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China?

Ja, es ist möglich, den Konflikt zu lösen, aber es wird immer schwieriger. Grund dafür sind der verschärfte Ton und die innenpolitischen Kosten. Wenn Donald Trump einen Kompromiss eingeht, nimmt das seine Basis nicht gut auf und die Demokraten werden es gegen ihn verwenden. In China hat sich die Rhetorik ebenfalls verschärft, die lokalen Medien sprechen von Verletzung des Nationalstolzes. Erst wenn die wirtschaftlichen Kosten zu hoch geworden sind, werden sie zurück an den Verhandlungstisch finden.

Wie beurteilen Sie Trumps Entscheidung, US-Technologieunternehmen das Geschäft mit Huawei zu verbieten?

Das eröffnet ein komplett neues Feld in diesem Konflikt, da es der erste offene Angriff auf China ist, der sich nicht dem Instrument der Zölle bedient. China hat Zölle als Druckmittel bereits ziemlich ausgeschöpft, hat aber kürzlich klar gemacht, dass es ebenfalls ein Arsenal an strategischen Gegenmassnahmen zur Verfügung hat. Wenn nun sowohl China als auch die USA solche Massnahmen ergreifen, dann hat das verheerende Folgen für das globale Wachstum.

Welche Auswirkungen hat der Konflikt auf das Wachstum in China?

Wenn man die aktuell geltenden Zölle aufrechnet mit allen angedrohten Zöllen, dann führt das zu einer Reduktion des chinesischen Bruttoinlandprodukts von 1%.

Was sind die Auswirkungen auf die globalen Lieferketten?

Was viele Leute vergessen, ist, dass die Unternehmen sich ursprünglich für China als Standort entschieden haben, weil dort unterstützende Dienstleistungen vorhanden sind: Finanzierung, Transportation, Rohmaterialien etc. Wenn sich Hersteller nun von China zu anderen Ländern abwenden, dann werden diese Wertschöpfungsketten mit ihnen gehen. Dieser Prozess läuft jedoch langsam ab, kurzfristig werden die globalen Wertschöpfungsketten destabilisiert und die Kosten höher.

Welche Regionen profitieren von dieser Verschiebung?

Südostasien, Lateinamerika und bis zu einem gewissen Grad Osteuropa. Ich denke, es werden sich vermehrt regionale Modelle entwickeln, anstelle von einem nahtlosen globalen Modell. Wie die neusten US-Zölle auf Mexiko zeigen, birgt aber auch der regionale Ansatz Risiken.

Der Fokus liegt im Moment auf dem Handelskonflikt. Welche anderen Risiken gehen dabei vergessen?

Die ökonomischen Eckwerte aus den USA weisen dieselben Anzeichen einer Abschwächung auf, wie wir sie in anderen Teilen der Welt beobachten. Wäre die US-Wirtschaft so stark wie zu Beginn des letzten Jahres, dann könnte sie den Handelskrieg einfacher verkraften. Das heisst, durch die schwächelnde amerikanische Wirtschaft werden die Risiken des Handelskonflikts grösser. Ausserdem liegt die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit nun bei 25% – das ist problematisch. Das erhöht den Druck auf das Pfund und stellt ein Risiko dar für die Stabilität in Europa. Einen weiteren potenziellen Krisenherd sehe ich im Iran. Trumps Sanktionen und aggressivere Haltung gegenüber Iran ist verheerend, falls die Lage weiter eskaliert.

Haben Sie Ihre Portfolios an die momentane Situation angepasst?

Unsere Investitionsstrategie fusst auf der globalen Wirtschaft. Dieser geht es nicht grossartig, aber die Lage ist auch nicht prekär. Der Unterschied zu früher ist das Vorhandensein asymmetrischer Risiken: Solange alles gut läuft, erhalten wir stabile Erträge, aber falls die Risiken sich manifestieren, dann kann das zu grossen Verlusten führen. Deshalb haben wir unsere Portfolios asymmetrischer gestaltet, damit wir an potenziellen Gewinnen beteiligt sind, aber gleichzeitig auch gegen die Risiken geschützt sind.

Wie gestaltet sich dieses proaktive Risikomanagement konkret?

Wir haben im vergangenen Jahr zweimal eine kapitalgeschützte Anlagestrategie implementiert. Einmal Ende August bis in den September und diesen April. Um ehrlich zu sein, hatten wir keine Ahnung, dass der Abverkauf, den wir im vierten Quartal gesehen haben, kommen würde. Im August und September des letzten Jahres war das Risiko-Ertrags-Profil nicht attraktiv für uns, aber es war relativ günstig, sich gegen Gefahren abzusichern, was wir getan haben. Eine ähnliche Dynamik konnten wir im April dieses Jahres beobachten, also haben wir in Absicherung investiert.

Und dann kam der Mai…

Genau, proaktives Risikomanagement zahlt sich aus. Man muss ständig überprüfen, ob das Verhältnis von Risiko und Ertrag sich verändert hat, und die Positionen entsprechend anpassen.

Welche Ansätze verfolgen Sie, um das zu erreichen?

Wandelanleihen sind interessant. Sie haben den Vorzug, dass Marktgewinne mitgenommen werden können, aber gleichzeitig besteht ein Schutz durch die Natur des Anleihengeschäfts. Was wir zudem empfehlen, sind ausgewählte Long-Short-Equity-Strategien.

Was raten Sie risikoaversen Investoren für das kommende Jahr? Sollen sie auf ihrem Bargeld sitzen bleiben?

Bargeld ist keine gute Anlagestrategie, als Euro- oder Franken-Investor hat man da gar eine negative Rendite. Kurzfristig rate ich risikoaversen Investoren zu dänischen Hypothekenpfandbriefen. Die Rendite ist beinahe 2%, mit einem AAA-Rating und ähnliche Laufzeiten wie «risikofreie» deutsche Bundesanleihen.

Und wenn ich bereit bin, ein bisschen mehr Risiko auf mich zu nehmen?

Dann empfehle ich auf Unternehmensereignisse spezialisierte Hedge Funds (Event-driven Hedge Funds). Die höheren Renditen machen das gestiegene Risiko mehr als wett.

Und was empfehlen Sie Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont?

Sowohl die USA als auch China werden mittelfristig Stimulusprogramme einführen. Wir gehen davon aus, dass auch viel in die Transformation der jeweiligen Wirtschaft investiert wird. Da ergeben sich hervorragende Einstiegsmöglichkeiten, ich denke hier beispielsweise an Fintech.

Was sagen die Geschäftserfolge im ersten Quartal für das Gesamtjahr voraus?

Wir haben eine Stabilisierung gesehen. In Europa waren insbesondere die Ertragszahlen erfreulich, was zeigt, dass die Aktivität wieder angezogen hat. Beim Gewinn sehen wir das noch nicht so, aber falls sich China und die USA im zweiten Halbjahr erholen, dann wirkt sich das positiv auf Europa aus. Sollten die Erholungen in den USA und China nicht eintreten und sich der Handelskonflikt intensivieren, dann sieht es auch für Europa in der zweiten Jahreshälfte nicht gut aus.

Sie sehen also eine Auswirkung des Konflikts auf Titel, die keine Verbindung zu China haben?

Was wir in den letzten Wochen beobachten konnten, waren Kursverluste für fast alle Unternehmen mit direktem Bezug zu China. Die Marktteilnehmer vergessen dabei, dass ein länger anhaltender Handelskonflikt auch Unternehmen ohne direkten China-Bezug davon abhält, weiter zu investieren. Das hindert das Wachstum. Meine Sorge ist, dass dadurch auch binnenwirtschaftlich ausgerichtete Unternehmen in den USA und Europa negativ betroffen wären.

Was ist die Rolle des Fed, wie wichtig ist sie für das US-Wirtschaftswachstum?

Das Fed ist sehr wichtig. Wenn sich das amerikanische Wirtschaftswachstum weiter verlangsamt oder es für Unternehmen schwieriger wird, an Geld zu kommen, dann wird die US-Notenbank eingreifen müssen und die Zinsen senken.

Was ist Ihre Prognose für die Währungen?

Der Dollar könnte sich weiter aufwerten, da er als sicherer Hafen gilt. Wenn der Druck auf das Pfund abnimmt und wir Klarheit bezüglich des Post-Brexit-Szenarios bekommen, dann könnten sich langfristig Chancen im britischen Pfund eröffnen. Wir setzen nicht mehr darauf, dass sich der Euro gegenüber dem Franken aufwertet und haben unsere entsprechenden Positionen kürzlich geschlossen.

Wird auch der Schweizer Franken weiterhin als sicherer Hafen dienen?

Definitiv. Aber die Schweizerische Nationalbank versucht sehr proaktiv, eine weitere Aufwertung des Frankens zu verhindern, insbesondere gegenüber dem Euro.

Gold ist ebenfalls ein sicherer Hafen, hat sich aber nur wenig bewegt in letzter Zeit.

In den letzten Jahren hatte Gold mit steigenden Zinsen und einem stärker werdenden Dollar zu kämpfen, beides keine guten Vorzeichen für Gold. Mit den sinkenden Zinsen ist eines dieser Hindernisse beseitigt, deshalb sehe ich Gold als gute Möglichkeit, relativ günstig das Portfolio abzusichern. Von allen Rohstoffen ist es sicher die beste Wahl in der momentanen Situation.

Investment-Expertise

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Norman Villamin
CIO Private Banking

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