Anleihen aus Schwellenländern sind keine einheitliche Anlageklasse; sie umfassen Staats- und Unternehmensanleihen, die in wichtigen Währungen wie dem US-Dollar begeben werden, sowie Anleihen in Landeswährung, Währungen und Frontier-Märkte. Diese Bereiche reagieren unterschiedlich auf das globale Wachstum, die Inflation, Volatilität und geopolitische Entwicklungen.

Diese Vielfalt bietet Anlegern mehrere potenzielle Renditequellen. Die entscheidende Frage lautet nicht einfach, ob man in Schwellenländeranleihen investieren soll, sondern welche Kombination aus Kredit-, Zins-, Währungs-, Liquiditäts- und Länderrisiken die attraktivste Chance bietet.

1. Vergleich zwischen Schwellen- und Industrieländern

Die traditionelle Unterscheidung zwischen Industrieländern und Schwellenländern verliert zunehmend an Aussagekraft. Schwellenländer werden oft mit schwächeren öffentlichen Finanzen in Verbindung gebracht, doch einige weisen mittlerweile ein solideres Schuldenprofil auf als hoch verschuldete Industrieländer.

Laut dem „Fiscal Monitor“ des Internationalen Währungsfonds vom April 2026 belief sich die Staatsverschuldung im Jahr 2025 in den Industrieländern auf etwa 108 % des Bruttoinlandsprodukts, verglichen mit 75 % in den Schwellenländern. Ohne China lag dieser Wert bei etwa 57 %.

Diese Zahlen geben jedoch nicht das vollständige Bild wieder. Anleger müssen auch das Wirtschaftswachstum, die Fälligkeit der Schulden, die Zinskosten, das Währungsrisiko, die institutionelle Stärke und den Zugang zu Fremdfinanzierung berücksichtigen. Sie stellen jedoch die Annahme in Frage, dass Industrieländer stets über solidere Fundamentaldaten verfügen.

Dies eröffnet Möglichkeiten, Länder anhand ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen und fiskalischen Lage zu vergleichen, anstatt sich lediglich auf ihre Marktklassifizierung zu stützen. Die Größe des Schwellenländeruniversums bietet Anlegern zudem eine breite Palette an Ländern, aus denen sie potenzielle Relative-Value-Chancen identifizieren können.

2. Hartwährungsanleihen können Erträge bieten

Anleihen in Hartwährung werden in einer wichtigen internationalen Währung begeben, meist im US-Dollar. Sie ermöglichen Anlegern ein Engagement in Staaten und Unternehmen der Schwellenländer, ohne direkt in deren Landeswährungen investiert zu sein.

Das fundamentale Umfeld bleibt günstig. BofA Global Research berichtete, dass etwa 82 % der Ratingänderungen für Schwellenländer in den letzten fünf Jahren Heraufstufungen waren. Dies entsprach mehr als vier Heraufstufungen pro Herabstufung.

Auch die Renditen sind im Vergleich zu ihrer längerfristigen Entwicklung weiterhin beachtlich. Allerdings haben stärkere Fundamentaldaten bereits zu engeren Spreads beigetragen (ein Spread ist die zusätzliche Rendite, die Anleger für die Kreditvergabe an einen risikoreicheren Kreditnehmer erhalten).

Infolgedessen könnten künftige Renditen weniger von allgemeinen Kursgewinnen und mehr von den Erträgen aus dem Halten von Anleihen, dem Management des Zinsrisikos und der Auswahl der richtigen Emittenten abhängen. Anleger müssen beurteilen, ob die Renditen sie angemessen für Kredit-, Liquiditäts- und Zinsrisiken entschädigen.

3. Märkte in Landeswährung bieten weitere Renditetreiber

Anleihen in Landeswährung bieten zwei wichtige potenzielle Renditequellen: die inländischen Zinssätze und die Landeswährung. Anleger können zudem von einer Positionierung entlang der Zinskurve eines Landes sowie von Anleihen profitieren, deren Fälligkeit näher rückt.

Dieses breitere Spektrum an Renditetreibern kann attraktiv sein, birgt jedoch auch zusätzliche Risiken. Ein hoher Zinssatz kann durch einen Kursrückgang der Landeswährung ausgeglichen werden. Anleger müssen daher die verfügbaren Erträge gegen die erwartete Währungsvolatilität, Inflation, Liquidität und das Risiko plötzlicher politischer Kurswechsel abwägen.

Ein schwächerer US-Dollar könnte Anleihen aus Schwellenländern in Landeswährung stützen, während eine stärkere Landeswährung die Kosten für importierte Güter senken und so dazu beitragen kann, die Inflation zu dämpfen und inländische Anleihen zu stützen.

4. Unternehmensanleihen weisen einen günstigeren Ausfallausblick auf

Unternehmensanleihen aus Schwellenländern bieten ein Engagement in Unternehmen statt in Staaten. Sie können attraktive Erträge bieten und den Zugang zu Unternehmen in Volkswirtschaften mit starkem Wachstumspotenzial ermöglichen.

Die Spreads bei Unternehmensanleihen sind relativ eng, sodass sich das Anlageargument zunehmend auf die Gesamtrendite konzentriert und weniger auf die Erwartung einer weiteren allgemeinen Verengung der Spreads. Der Ausfallausblick ist ermutigender: JPMorgan Research hat kürzlich seine Prognose für globale Ausfälle bei Hochzinsanleihen aus Schwellenländern im Jahr 2026 von 4,3 % auf 3,1 % gesenkt.

Eine sorgfältige Auswahl bleibt unerlässlich. Anleger müssen das Geschäftsmodell, die Bilanz, den Refinanzierungsbedarf und den Zugang zu Finanzmitteln jedes einzelnen Unternehmens prüfen; eine Hochzinsanleihe ist nur dann attraktiv, wenn sie eine ausreichende Vergütung für diese Risiken bietet.

5. Grenzmärkte bieten hohe Erträge und Diversifizierung

Frontier-Märkte wie Ägypten, Nigeria und Sambia sind kleiner und weniger entwickelt als die größeren Schwellenmärkte, und ihre lokalen Anleihemärkte können weltweit zu den höchsten Renditen zählen – in bestimmten Fällen mit Nominalrenditen von über 20 %.

Hohe Renditen bedeuten nicht automatisch hohe Erträge: Anleger müssen Inflation, Währungsabwertungen, Besteuerung, Liquidität und politische Risiken berücksichtigen. Die Erträge können zudem stärker von inländischen Entwicklungen als von geringen Veränderungen der US-Zinssätze beeinflusst werden.

Frontier-Währungen können relativ geringe Korrelationen untereinander aufweisen, was potenzielle Diversifizierungsvorteile mit sich bringt. Diese Zusammenhänge können sich jedoch in Zeiten von Marktstress schnell ändern. Auch die Entwicklungen in den einzelnen Ländern können erheblich voneinander abweichen, was Anlegern mit fundierter lokaler Recherche und sorgfältiger Länderauswahl Chancen eröffnet.

Ein breites Spektrum an Anlagemöglichkeiten

Bei Schwellenländeranleihen geht es nicht einfach um die Suche nach der höchsten Rendite, sondern darum, zu erkennen, wo potenzielle Erträge die Anleger angemessen für die damit verbundenen Risiken entschädigen.

Bei der Union Bancaire Privée kombinieren unsere Spezialisten für Schwellenländeranleihen Länderanalysen, Marktforschung und Wertpapierauswahl, um Chancen in dieser vielfältigen Anlageklasse zu bewerten.

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