Von Netzausbauten bis hin zu Kühlsystemen – Schweizer Unternehmen bieten ein breit gefächertes Engagement im Investitionszyklus der künstlichen Intelligenz.
Künstliche Intelligenz (KI) verändert nicht nur die Rechenleistung, sondern definiert auch den Infrastrukturbau neu. Mit zunehmender Größe der Rechenzentren verlagern sich die Einschränkungen von den Chips hin zu den Systemen: Versorgung, Kühlung, Stromnetze und industrielle Präzision.
Die Schweiz ist in diesen mittlerweile entscheidenden Bereichen besonders gut positioniert. Von Transformatoren über Wärmemanagement bis hin zu Vakuumtechnologien und Hightech-Bauwesen sind börsennotierte Schweizer Unternehmen entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette vertreten und profitieren zudem von strukturellen Themen wie der Reindustrialisierung in Europa, dem Gesundheitswesen und der Widerstandsfähigkeit der Lieferketten. Das Ergebnis ist ein diversifizierter Aktienmarkt, der historisch gesehen eine geringe Korrelation zu US-amerikanischen und globalen Indizes aufweist und dessen Bewertungen im Vergleich zu den Vereinigten Staaten weiterhin attraktiv sind.
Ein struktureller Investitionszyklus
Der Ausbau privater Rechenzentren gewinnt weltweit an Fahrt. Über Halbleiter und Hyperscaler hinaus erfordert jeder neue Standort Energiesysteme, Netzausbauten, Präzisionskühlung und spezielle Bauqualifikationen – allesamt Bereiche, in denen Schweizer Unternehmen aller Marktkapitalisierungen über umfassende und gut etablierte Kompetenzen verfügen, die sie auf globaler Ebene einsetzen.
Schweizer Unternehmen, die sich auf HLK-Steuerungssysteme (Heizung, Lüftung und Klimatisierung) und industrielle Kühlung spezialisiert haben, verzeichnen, dass Anwendungen für Rechenzentren einen wachsenden Anteil ihres Umsatzes ausmachen.
Derzeit werden Schweizer Aktien mit einem Abschlag gegenüber ihren US-Pendants gehandelt. Der SPI weist zudem dank seiner Branchenzusammensetzung und des internationalen Profils seiner Unternehmen geringere Korrelationen im Vergleich zum S&P 500 und zum MSCI AC World auf, was von Vorteil ist, wenn die globale Performance von einer kleinen Anzahl von Technologie-Megacaps getrieben wird, in denen der SPI kaum engagiert ist.
KI: Die Schweizer Wertschöpfungskette
In welchen Marktsegmenten profitieren Schweizer Unternehmen am meisten von dieser Dynamik?
- Stromversorgung und Kühlung: Das Wärmemanagement ist zu einem entscheidenden Faktor bei der Gestaltung von Rechenzentren geworden. Die Anordnung von Servern mit hoher Dichte erzeugt erhebliche Wärme, während eine präzise Temperaturregelung direkten Einfluss auf deren Zuverlässigkeit und Energieverbrauch hat. Schweizer Unternehmen, die sich auf HLK-Regelsysteme (Heizung, Lüftung und Klimatisierung) sowie industrielle Kühlung spezialisiert haben, verzeichnen einen wachsenden Anteil ihrer Umsätze aus Anwendungen für Rechenzentren.
- Stromnetzinfrastruktur: Der gestiegene Strombedarf erfordert Transformatorenkapazitäten, intelligente Netzlösungen und Leistungselektronik in bisher ungekanntem Ausmaß. Schweizer Unternehmen, die sich auf Transformatoren und elektrische Infrastruktur konzentrieren, erzielen einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit der Modernisierung von Stromnetzen – ein Segment, das sowohl von der Nachfrage im Zusammenhang mit Rechenzentren als auch von der allgemeinen Energiewende profitiert.
- Halbleiterausrüstung: Die Chipfertigung für KI-Anwendungen erfordert hochspezialisierte Ausrüstung. Schweizer Unternehmen, die in den Bereichen Vakuumtechnik, Gasanalyse sowie Prüf- und Messtechnik tätig sind, liefern Komponenten, die für Halbleiterproduktionsanlagen weltweit von entscheidender Bedeutung sind.
- Baustoffe: Groß angelegte Rechenzentrumsprojekte erfordern modernste Kompetenzen in den Bereichen Bauleitung, Dichtungs- und Abdichtungssysteme sowie industrielle Rohrleitungstechnik. Schweizer Unternehmen sind auf diesen Gebieten führend, und mehrere nationale Baukonzerne haben fundierte Erfahrungen bei der Umsetzung solcher Projekte gesammelt.
- Energieeffizienz: Diese ist zu einem zentralen Aspekt der Wirtschaftlichkeit von Rechenzentren geworden, da sie die tatsächlich nutzbare Rechenleistung bestimmt, die mit einer bestimmten Menge an elektrischer Energie erzielt werden kann. Schweizer Unternehmen, die über Fachkompetenz in den Bereichen Durchflussregelung, industrielle Automatisierung und Energiemanagement verfügen, sind ideal positioniert, um diese Nachfrage zu bedienen.
Schweizer Aktien: Mehrere Wachstumsmotoren für mehr Widerstandsfähigkeit
KI-bezogene Infrastruktur ist ein starker Katalysator, doch über diese Revolution hinaus kommen verschiedene strukturelle Wachstumsthemen zusammen. Diese Eigenschaft ist jedoch eine echte Quelle der Widerstandsfähigkeit, da eine mögliche Verschlechterung der Stimmung bei einem bestimmten Thema durch Engagements in anderen Themen ausgeglichen werden kann.
Aktive Schweizer Aktienstrategien spiegeln diese Diversifizierung wider: Ein Engagement im KI-Bereich geht Hand in Hand mit Positionen in Unternehmen, die besonders von den folgenden großen Trends profitieren:
- Europäische Infrastrukturausgaben: „ReArm Europe“ und deutsche Programme leiten einen mehrjährigen Zyklus ein.
- Eine weltweit alternde Bevölkerung: Schweizer Pharma- und Medizintechnikunternehmen profitieren von einer anhaltenden Nachfrage nach Therapien, Diagnostika und medizinischen Geräten.
- Resilienz der Lieferketten: Standortverlagerungen und Automatisierung beflügeln die Präzisions- und Qualitätskontrolltechnik – beides Bereiche, in denen die Schweiz Spitzenleistungen erbringt.
Eine aktive Aktienauswahl beinhaltet eine sorgfältige Analyse der Umsatzentwicklung, der Auftragsbücher und der Wettbewerbsposition.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Schweizer Markt einen gezielten und diversifizierten Zugang zum Investitionszyklus im Bereich der KI-Infrastruktur bietet, ohne dass man von einer Handvoll US-Megacaps abhängig ist oder deren Bewertungsmultiplikatoren bezahlen muss. Angesichts einer historisch niedrigen Korrelation zu globalen Indizes und eines Engagements in mehreren langfristigen Wachstumsmotoren über die Marktkapitalisierungen verdienen Schweizer Aktien eine Neubewertung als Quelle der Diversifizierung und des strukturellen Wachstums.
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