Seit der Zinserhöhung der US-Notenbank um 25 Basispunkte im September hat sich der Goldpreis leicht nach unten bewegt und liegt nun bei rund 4’150 US-Dollar pro Unze.

Angesichts der kräftigen Zunahme sowohl der nominalen als auch der inflationsbereinigten Realzinsen fiel der Rückgang eher verhalten aus. Die Renditen zehnjähriger US-Anleihen sind auf Höchststände von 5,30% gestiegen, und jene zehnjähriger TIPS (ein Indikator für die Realzinsprognosen) haben Niveaus knapp unter 3% erreicht. Normalerweise würden wir nun eine markante Goldbaisse erwarten. Dass sie moderat ausfällt, deutet darauf hin, dass die Korrelation zwischen Gold und Zinsen weiter nachgelassen hat.

Im August und bis Anfang September bauten Anleger ihr Goldengagement aus. Privatanleger stockten ETF-Positionen auf, und Institutionelle erhöhten Netto-Long-Positionen an den Terminmärkten. Diese Kapitalflüsse reagieren normalerweise sehr empfindlich auf Zinsänderungen – bislang war jedoch kaum eine Reaktion auf den starken Anstieg der langfristigen Zinsen zu beobachten. Wir gehen davon aus, dass der grösste Teil der Zinsbewegung weitgehend abgeschlossen ist, sodass von den aktuellen Niveaus aus nur begrenzte Abwärtsrisiken für Gold und die Edelmetallgruppe bestehen.

Die Zentralbanken haben weiter Gold erworben, wobei die chinesische Zentralbank in diesem Jahr zu den grössten Käufern gehört. Der Kreis der Währungshüter, die ihren Goldbestand in diesem Jahr aufstocken, hat sich zwar verengt, doch spiegelt dies eher den hohen Preis als eine mangelnde Bereitschaft wider, die Bestände zu erhöhen. Die jüngste Umfrage des World Gold Council ergab, dass rekordverdächtige 45% der Zentralbanken davon ausgehen, ihre Goldbestände im nächsten Jahr auszubauen. Deshalb wird Gold bei jedem nennenswerten Kursverlust wahrscheinlich durch Zentralbankkäufe gestützt.

Kurzfristig dürfte sich der Goldpreis innerhalb einer engen Bandbreite bewegen. Die Märkte haben bereits mindestens drei weitere Zinserhöhungen um je 25 Basispunkte für die kommenden Monate eingepreist. Diese Erwartungen sind eher hoch angesetzt. Der Anstieg der US-Kerninflation ist grösstenteils auf einmalige Faktoren zurückzuführen. So hat die Fed Spielraum, bei Zinsanhebungen Zurückhaltung zu üben, sobald sich die Lage im Nahen Osten geklärt hat.

Das dringlichste Aufwärtsrisiko für Gold wäre eine Neubewertung der Goldreserven des US-Finanzministeriums, die auf etwas mehr als 8’000 Tonnen geschätzt werden. Eine Neubewertung zum aktuellen Marktpreisniveau würde implizit eine Abwertung des US-Dollars gegenüber Gold auslösen. Dies wäre ein deutliches Signal an den Markt, das den "Debasement-Trade" wieder in Gang bringen könnte, der sich bereits 2025 abzeichnete.

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