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UBP in der Presse 05.08.2022

Resilientes Wirtschaftsmodell der Schweiz

Resilientes Wirtschaftsmodell der Schweiz

Le Temps (08.2022) - Wird das erste Halbjahr dieses Jahres einen Wendepunkt bilden? Man könnte es fast meinen, nimmt man den Gemütszustand im vergangenen Winter zum Massstab.


Alle Welt freute sich, dank der Impfkampagnen der Pandemie den Rücken zu kehren. Nach einer kräftigen globalen Konjunkturerholung schien die Rückkehr zur Normalität eine beschlossene Sache. Die Aktienmärkte gingen auf Höhenflug, unbeeindruckt von den Problemen in den Lieferketten und den ersten Preissteigerungen.

In wenigen Monaten erschütterten mehrere aufeinander folgende Krisen diese Gewissheit. Dann kletterte die Inflation auf Allzeithochs, angeheizt durch den Ukraine-Konflikt. Als Folge davon geht nun wieder das Schreckgespenst einer Rezession in Europa um. Neue geopolitische Spannungen verschärfen bestehende Konflikte, und sorgen zusammen mit extremen Wetterereignissen für massive Preisanstiege von Nahrungsmitteln und Dünger. Den verletzlichsten Entwicklungsländern droht eine verheerende Ernährungskrise, welche die Energieknappheit überlagert. Darüber hinaus untergräbt die wachsende Nachsicht gegenüber Populismus und Nationalismus das demokratische Gleichgewicht in zahlreichen Staaten. Die Pandemie meldet sich mit neuen Varianten zurück und weckt neue Befürchtungen zur konjunkturellen Entwicklung Chinas. Seit Anfang Jahr zahlen die Börsen einen hohen Preis in Form von heftigen Korrekturbewegungen.

Zu behaupten, dass sich das Blatt in nur sechs Monaten gewendet hat, würde zu kurz greifen. Denn die gegenwärtigen konjunkturellen Turbulenzen sind lediglich eine Begleiterscheinung der seit Jahren identifizierten strukturellen Missstände. Die Energiewende, die Dekarbonisierung, die technologische Revolution und die Notwendigkeit, sich für eine inklusive Wirtschaft zu engagieren, sind ebenso wichtige Herausforderungen für unsere Volkswirtschaften. Die gängigen Entwicklungsmodelle, die während dreissig Jahren unseren Wohlstand sicherten, stossen heute an ihre Grenzen.

Die Ära der Globalisierung, angestossen durch den Mauerfall in Berlin und das Ende des Kalten Krieges, ausgeweitet durch die Aufnahme internationaler Beziehungen mit China (und seinem Beitritt zur WTO Ende 2021), hat ein nie gekanntes, vom Finanzsystem weitgehend mitgefördertes Wachstum gebracht. Leider wurde dieser weltweite Rückgang der Armut manchmal von grösseren Ungleichheiten begleitet. Der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität führen uns vor Augen, dass wir uns dringendst darum sorgen müssen, welche Auswirkungen unser Handeln für die Umwelt hat und unser Wachstumsmodell zu hinterfragen.

Wir befinden uns in einer in der Geschichte der Menschheit nie dagewesenen Situation, dass wir die konjunkturellen und strukturellen Probleme in einem von grosser Unsicherheit geprägten Umfeld schnellstens lösen müssen. Die Erkenntnis, dass unser bisheriges Modell ausgedient hat, lässt uns zugleich an der Fähigkeit des internationalen Systems zweifeln, gemeinsame Regeln festzulegen. Man denke nur an die holprige Umsetzung des Pariser Abkommens oder die festgefahrenen Verhandlungen im Sicherheitsrat der UNO.

Aufgrund der geschwächten Weltordnung könnte die Lösungssuche eine ungeordnete «Deglobalisierung» zur Folge haben. Neue Abkopplungsstrategien und staatliche Interventionen treten in immer mehr «sensiblen» Bereichen auf, um Abhängigkeiten, die zu potenziellen Schwachstellen werden könnten, gezielt zu reduzieren. Gewisse Lösungsansätze sind durchaus stichhaltig. Es besteht aber die Gefahr einer Fragmentierung der Kräfte, während die aktuellen Herausforderungen ein kollektives Vorgehen verlangen.

Dank ihrer zentralen Position in Europa und der Stadt Genf, Zentrum für internationale Zusammenarbeit, zeichnet sich die Schweiz durch ihre Resilienz aus. Ihre aussergewöhnliche Position und die Stärke des Schweizer Franken erklären auch zu einem grossen Teil die gute Entwicklung ihrer Börse verglichen mit anderen Finanzmärkten. Seit 2011 führt die Schweiz jedes Jahr den Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) an, ein Zeichen dafür, dass sich Humankapital und technologische Innovation miteinander vereinbaren lassen. Dank der technischen Hochschulen in Lausanne und Zürich sticht sie in der Datenwissenschaft hervor und ist in der Tokenisierung von Vermögenswerten eine Länge voraus. Ein starker Franken und qualifizierte Arbeitskräfte stimulieren die Forschung und Innovation in einheimischen Unternehmen. Als historischer Handelsplatz verfügt die Schweiz über eine privilegierte Position, um die Entwicklungen in den Bereichen Rohstoffe und Frachtverkehr zu analysieren und antizipieren.

Und schliesslich kann die Schweiz auf die Stabilität ihres Finanzplatzes zählen, der sich sein Wachstumspotenzial trotz zunehmender Regulierungsdichte, Digitalisierung und Coronakrise erhalten konnte. Die Schweizer Banken sind bereit, bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft mitzuwirken. Ein Beweis dafür ist der Boom von nachhaltigen Anlagen, wie Swiss Sustainable Finance in ihrem jüngsten Bericht festhielt. Trotz steigendem Margendruck haben die Banken alle Karten in der Hand, um künftige Hürden zu überwinden.

Die Schweiz – und besonders der Bankensektor – vereinigt Tradition mit Modernität, weshalb sie dank der Stabilität ihrer Institutionen und Gesellschaft, ihren humanistischen und umweltbewussten Leitwerten und ihrer Innovationskraft in der Lage sein wird, die Herausforderungen, die mit den kommenden Umwälzungen einhergehen, zu bewältigen.


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Nadège Lesueur-Pène
Head of Wealth Management Developing Markets & Europe
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