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UBP in der Presse 14.06.2021

Europa startet aus der Poleposition

Europa startet aus der Poleposition

Institutional Money (04.06.2021) - Nachdem Europa im Erholungsprozess nach der Pandemie bislang hinter anderen Regionen zurücklag, sprechen aus unserer Sicht nun einige Faktoren dafür, dass Europa andere überrunden wird. Das sind vielversprechende Perspektiven für europäische Unternehmensanleihen, insbesondere die höherverzinslichen Papiere wie High Yield- oder AT1-Anleihen.


Die weltweit laufenden Impfkampagnen sind ein klarer Positivfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Bislang liegt Europa beim Impffortschritt noch zurück. Mit steigenden Liefermengen und immer mehr verabreichten Impfdosen dürfte die Impfquote dann jedoch sogar über dem Planziel der Europäischen Kommission liegen, bis Ende September 2021 70% der Erwachsenen in Europa zu impfen. Damit rücken weitere Öffnungen für die Wirtschaft in den Blick, wovon insbesondere der Dienstleistungssektor profitieren wird. Infolge von Lockdown-Maßnahmen, Reisebeschränkungen und geschlossener Geschäfte sind zudem die Sparquoten in Europa drastisch angestiegen und aktuell fast doppelt so hoch wie zu normalen Zeiten. Wir gehen davon aus, dass diese Ersparnisse wieder in den Konsum fließen werden. Von diesem Effekt dürfte besonders die tourismuslastigere europäische Peripherie profitieren. Stärker aus der Makroperspektive betrachtet, sollte auch Europa an sich als große offene Volkswirtschaft zugutekommen, dass seine beiden größten Handelspartner, die USA und China, in der Wachstumsentwicklung schon weiter fortgeschritten sind.

Trotz des positiven Ausblicks beim Konsum gehen wir davon aus, dass die geld- und fiskalpolitischen Impulse aufrechterhalten werden.

Die EZB wird ihre Politik des Quantitative Easings fortsetzen und den Einlagenzins voraussichtlich noch einige Jahre konstant halten und damit die Zinsen nicht so schnell wieder anheben wie die Federal Reserve. Dies bedeutet weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen. In puncto Fiskalpolitik ist für dieses Jahr mit den ersten Auszahlungen aus dem EU-Wiederaufbaufonds zu rechnen. Dieser Fonds finanziert sich über gemeinsame Anleihen am europäischen Kapitalmarkt. Dieses Geld soll über Zuschüsse und Kredite in beträchtlicher Höhe vor allem den am stärksten von der Coronakrise in Mitleidenschaft gezogenen Ländern zugutekommen. Dies dürfte die Investitionstätigkeit ankurbeln und damit zu weiterem BIP-Wachstum führen. Selbst wenn diese Maßnahmen und andere Faktoren wie unterbrochene Lieferketten und Basiseffekte potenziell zu einem Anstieg der Kerninflation führen, dürfte ein solches Phänomen unseres Erachtens lediglich vorübergehender Natur sein, wenn man sich die strukturelle Dynamik in Europa in Kombination mit anhaltend hohen Beschäftigungsreserven vor Augen hält. Vor diesem Hintergrund besteht für die Politik an der Zinsfront kein akuter Handlungsbedarf. Die EZB wird sich hüten, noch einmal den Fehler zu machen, die Zinsschraube zu früh wieder anzuziehen.

Das sind positive Rahmenbedingungen für Unternehmensanleihen. Mit der zu erwartenden Wachstumsbeschleunigung sollten auch die Umsätze und Gewinne der europäischen Unternehmen wieder steigen. Gleichzeitig bewegen sich die Kosten für Fremdkapital auf historisch niedrigem Niveau. Das europäische High Yield-Segment ist bemerkenswert gut durch diese schwere Krise gekommen. Dank der verschiedenen wirksamen Kurzarbeitsprogramme konnten hohe Ausfallquoten abgewendet werden. Angesichts des günstigen makroökonomischen Umfelds sehen wir das Auslaufen dieser Programme unkritisch, sodass bei europäischen High Yield-Anleihen weiterhin mit Erträgen für Anleger und nicht mit einer zweiten Welle an Ausfällen zu rechnen ist.

Nachrangige AT1-Bankenpapiere sollten sich mittelfristig ebenfalls gut entwickeln.

Doch nicht nur die makroökonomischen Rahmenbedingungen sind positiv für Banken, auch auf Unternehmensebene sieht es gut aus: Banken konnten in letzter Zeit mit sehr hohen Gewinnen überzeugen und mehrheitlich die Erwartungen sogar übertreffen. Dies spiegelt sich auch in weiterhin sehr komfortablen Eigenkapitalquoten wider. Das AT1-Segment zeichnet sich dadurch aus, dass die Spreads aktuell noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. Dies macht diese Assetklasse besonders attraktiv.

Fazit: In Europa hat die Erholung nach der Pandemie erst spät eingesetzt, es gibt jedoch ermutigende Anzeichen dafür, dass sich das Blatt nun wendet. Angesichts einer Vielzahl von Positivfaktoren für Europa sind europäische Anleihen, insbesondere die höherverzinslichen Segmente, mittelfristig durchaus einen Blick wert.


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Philippe Graüb
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