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Analysen 14.10.2021

In die Biodiversität investieren - warum jetzt und wie

In die Biodiversität investieren - warum jetzt und wie

Die Biodiversität bezeichnet die biologische Vielfalt von Leben in allen seinen Formen, die Tier- und Pflanzenarten, deren genetische Variationen und Ökosysteme. Biodiversität ist für unsere Gesundheit und das Fortbestehen des Planeten zentral.


Auf einen Blick

  • Über 50% des globalen BIP sind von der Natur abhängig
  • Wir haben uns daran gewöhnt, «kohlenstoffneutral» zu sein, jetzt müssen wir uns bemühen, «nature-positive» zu werden.
  • Grösseres Risiko, in Rechtsstreitigkeiten zu geraten und striktere Regulierung können Unternehmen schaden
  • Der Umfang der Anlagemöglichkeiten basiert auf drei Faktoren: Nachfrage, Regulierung und Innovation.
  • Der Investmentprozess des Impact-Teams stützt sich auf zwei verbundene Themen ab: Schützen und wiederherstellen
  • Einzigartige Kontrollfunktion des neuen Biodiversitäts-Komitees 

Was ist unter Biodiversität zu verstehen?

Die Artenvielfalt liefert eine beeindruckende Anzahl von grundlegenden Gütern und Dienstleistungen für unsere Gesellschaft: 

  • Insekten und Bienen bestäuben Kulturpflanzen – 75% der Lebensmittelproduktion hängt davon ab. 
  • Würmer sind für die Fruchtbarkeit des Bodens massgeblich – gesunde Böden bieten Schutz gegen Erosion, Überschwemmungen und Wüstenbildung. 
  • 70% der Medikamente zur Krebsbehandlung sind von der Natur inspiriert  – deshalb muss das Artensterben verhindert werden.

Diese «Ökosystemdienstleistungen» sichern die Lebensmittel- und Wasserversorgung, regulieren das Klima und reduzieren die Umweltverschmutzung, ohne dass der Mensch dafür zahlen muss. Laut dem Bericht des Weltwirtschaftsforums ist mehr als die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von der Natur abhängig. 

Wie steht es heute um die Biodiversität?

Die Biodiversität ist akut gefährdet. Neben dem Klimawandel ist das Artensterben die zweitgrösste Bedrohung des Planeten wie folgende Zahlen beweisen:

  • 68% Artenverlust bei Wildtieren in den letzten 46 Jahren
  • Jährlich werden 10 Millionen Hektaren abgeholzt (eine Fläche so gross wie Deutschland)
  • Der Mensch verursacht jährlich etwa 6,6 Billionen USD an Umweltschäden bzw. 11% des globalen BIP

Durch den Klimawandel haben wir uns an das Konzept der Reduktion unseres ökologischen Fussabdrucks gewöhnt und an das Ziel der Netto-Null-Emissionen. Die Biodiversitätskrise ist vielen noch kein geläufiger Begriff. Wir müssen uns schnell das Konzept «Netto-Null für Kohlenstoff, Netto-Gewinn für die Natur» aneignen, wenn wir ein Massenaussterben und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Schäden verhindern wollen.


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Was haben der Verlust und die Wiederherstellung der Artenvielfalt mit Anlagen zu tun?

Mit dem Verlust der Biodiversität einhergehende Risiken

Ein Rückgang der von der Natur erbrachten Ökosystemdienst-leistungen wird zunächst eine direkte physische Gefahr für die Unternehmen darstellen, da sich Ernten weniger zuverlässig voraussagen lassen, Veränderungen in Wettermustern auftreten und die Landwirtschaft sich nicht mehr auf die Bestäubung verlassen kann. Die Risiken sind sowohl mit Ereignissen verbunden, z. B. Überschwemmungen oder Dürren, als auch langfristig, z. B. Abholzung reduziert Regenfälle. Die wirtschaftlichen Folgen reichen weit über die Landwirtschaft hinaus, da die Unternehmen Glieder in multinationalen Lieferketten sind. Sie bilden auch die Lebensgrundlage lokaler Gemeinschaften und sind Steuerzahler, weshalb sich weitläufige Auswirkungen ergeben.

Um sich den vorgenannten physischen Risiken anzupassen, nimmt die Investmentbranche eine Neueinschätzung des ökonomischen Werts von bedrohten oder «gestrandeten» Gütern vor. Dies geht oft mit einer Korrektur nach unten ihres Werts einher oder sie werden als Belastung betrachtet. Ein Konsumunternehmen, das dem Verlust der Artenvielfalt keine Beachtung schenkt, setzt sich sowohl physischen als auch Reputationsrisiken aus, was sich unweigerlich auf seinen Wert auswirkt.

Je offensichtlicher Raubbau an der Natur betrieben wird und ganze Gemeinschaften unter den Folgen leiden, erhöht sich für die Verursacher auch das Risiko, in Rechtsstreitigkeiten zu geraten und strikteren Regulierungen unterworfen zu werden. Sie riskieren z. B. Bussen für die Verschmutzung der Ozeane oder illegale Abholzung.

Schutz und Wiederherstellung der Artenvielfalt schaffen Gelegenheiten

Der Umfang der Anlagemöglichkeiten basiert auf drei Faktoren: Nachfrage, Regulierung und Innovation. Es liegt auf der Hand, dass das Interesse der Verbraucher an diesem Thema gross ist und aufgrund der sehr konkreten Auswirkungen des Artensterbens, wie sie in viel beachteten Dokumentarfilmen dargestellt werden, weiter zunimmt. Im Jahr 2020 berichtete die Union for Ethical Biotrade (UEBT) in ihrem Biodiversitäts-Barometer, dass über 80% der im Rahmen ihrer Umfrage befragten Konsumenten angaben, dass sie sich moralisch verpflichtet fühlen, die Biodiversität zu fördern.

Eine weitere gute Nachricht ist, dass sich auch wichtige Entscheidungsträger des Problems des Artensterbens bewusst sind. Seit der Klimawandel in den letzten Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, und Zahlen zum Kohlenstoff-Ausstoss und wissenschaftliche Ziele sowohl in einzelnen Ländern, als auch international im Mittelpunkt stehen, steigt die Erkenntnis, dass auch beim Naturschutz ein ähnliches Vorgehen angezeigt ist. Zur Erkenntnis gesellt sich die Einführung politischer Massnahmen, regulatorischer Bestimmungen und die Bereitstellung von Kapital. Wie bereits erwähnt, bringt dies für einige Unternehmen erhöhte Kosten mit sich. Für andere aber – für nämlich jene, die zur Lösung des Problems beitragen – ergibt sich die Möglichkeit, über mehrere Jahrzehnte hinweg, ein überdurchschnittliches Wachstum und grössere Kapitalzuflüsse zu verzeichnen. 

Die problemlösenden Unternehmen können sich stark voneinander unterscheiden, haben aber eines gemeinsam: Innovation und Technologie. Diese beiden Faktoren ermöglichen ihnen, die Lücke zwischen dem Wunsch nach Veränderung und deren Verwirklichung zu schliessen. Zu diesen gehören Unternehmen, die umweltfreundliche Praktiken in der Bodenbewirtschaftung fördern, für saubere und natürliche urbane Flächen sorgen und die Kreislaufwirtschaft begünstigen.

 

Woran erkennt man die richtigen Unternehmen?

Bevor wir zur Ermittlung der besten Unternehmen übergehen, müssen wir die Ursachen des Artenverlusts betrachten. Klimawandel und Umweltverschmutzung bringen die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Zusammen mit der Abholzung und veränderten Methoden zur Bodennutzung (vor allem in der Landwirtschaft) tragen sie zum Verlust von Lebensraum und zur übermässigen Nutzung von natürlichen Ressourcen bei, wobei die Überfischung der Ozeane die offensichtlichste ist.

Das Impact-Team der UBP hat einen eigenen Investment-prozess entwickelt, der sich auf zwei miteinander verbundene Themen und sieben Sektoren abstützt.

Schützen

  • Kreislaufwirtschaft
  • Umweltverträgliche Versorgung
  • Nachhaltige Verwaltung von natürlichen Ressourcen 
  • Grüne Städte und urbane Flächen

 

Wiederherstellen

  • «Enablers of Change»
  • Naturfreundliche Ernährung
  • Nachhaltige Lebensmittelproduktio

 

Zwei zentrale UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) sind diesen Themen unterlegt: 

SDGs_14.jpg     SDGs_15.jpg

Und werden um vier zusätzliche SDG ergänzt:

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Die aus diesem Investmentprozess gewonnenen Ideen werden anhand unserer zentralen IMAP -Scoring-Methode analysiert, und danach einer Bewertung und einem Stresstest im Hinblick auf ESG-Kriterien unterzogen. Geeignete Kandidaten werden in die Watchliste und schliesslich in den Fonds aufgenommen.

Welche Aspekte spielen bei der Entwicklung einer «nature-positiven» Strategie eine Rolle?

Die Landwirtschaft ist direkt und indirekt für den Grossteil des Biodiversitätsverlusts verantwortlich. Jedes T-Shirt, jede Getränkedose hat einen Fussabdruck, der sich auf die Biodiversität auswirkt. Wenn wir diesen reduzieren wollen, müssen wir nicht nur die Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens, sondern auch die gesamte Lieferkette unter die Lupe nehmen. Welche Produkte ein Unternehmen verkauft, ist äusserst wichtig, ebenso wichtig ist aber die Art, wie es diese Produkte auf den Markt bringt. In unserer Analyse kombinieren wir daher unsere hauseigene IMAP-Methode mit eingehendem, systematischem Engagement, um eine transparente Erfassung und Offenlegung der Informationen zu den jeweiligen Lieferketten voranzutreiben.

Unser Engagement beschränkt sich dabei nicht auf bilaterale Gespräche mit den Unternehmen. Wir erkennen, dass tiefgehende und bedeutungsvolle Änderungen nur möglich sind, wenn wir als Vertreter der Finanzindustrie aus unserem Silo heraustreten und mit anderen Stakeholdern zusammen-arbeiten, um ein neues, «nature-positives» Geschäftsmodell zu schaffen. Daher werden wir mit zwei Biodiversitätsexperten zusammenarbeiten, die uns bei der Umsetzung dieses Ziels unterstützen werden. Es handelt sich um einen Spezialisten für Naturschutz und einen Akademiker mit fundierten Kenntnissen in der politischen Entscheidungsfindung. Die Zusammenarbeit und Zusammenlegung der Informationen aus ihrem jeweiligen Fachgebiet ermöglichen die Schaffung einer Datenbank, die von den für die Aufnahme in den Fonds ermittelten Unternehmen verwendet werden kann. Wir sind der Auffassung, dass diese Bündelung von Know-how positive Auswirkungen auf breiter Flur herbeiführen kann. 

Aufgrund der Komplexität des Themas und des pionierartigen Ansatzes unserer Strategie zur Wiederherstellung der Biodiversität ist unser Team auf externes Wissen und Überwachung angewiesen. Zur Ergänzung des Impact Advisory Boards und des Investmentkomitees, die beide eine Kontrollfunktion ausüben, wurde eigens ein Biodiversitäts-Komitee gegründet. Letzteres soll eine Anleitung und strategische Richtung vorgeben und ist zusammen mit dem Investment-Team für die Erarbeitung von klaren Zielsetzungen und Performanceindikatoren im Bereich Biodiversität verantwortlich.

Welche Herausforderungen bringt ein «nature-positiver» Investmentansatz mit sich?

Für alle Impact-Strategien in börsennotierten Unternehmen stellt die Gewinnung von standardisierten, geprüften nicht-finanziellen Daten eine Herausforderung dar. Bei der Messung der verbesserten Biodiversität erschwert nicht nur die Abwesenheit von Daten, sondern auch die Tatsache, dass keine einheitliche Methode zur Messung ihres Nettogewinns vereinbart wurde, das ganze Unterfangen. Wir stehen am Anfang der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen und blicken gespannt auf die Gespräche an der COP 15-Konferenz zur Biodiversität. Sie dürfte die Biodiversität und die Festlegung einer anerkannten Messmethode, die mit dem Netto-Null-Ziel des Klimawandels vergleichbar ist, in den Fokus rücken.

Investitionen zur Förderung der Artenvielfalt befinden sich noch in den Kinderschuhen. Eine spannende und wichtige Herausforderung für uns ist die Bündelung der kollektiven Kräfte unserer Partner und unserer Anlagen, um über unsere Gespräche und Hoffnungen hinaus echte und messbare Veränderungen hervorbringen. Wir sind zuversichtlich, dass uns dies mithilfe unseres einzigartigen Prozesses, verlässlicher Kontrollen und hochmotivierten Team gelingen wird. 

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Victoria Leggett
Head of Impact & Portfolio Manager
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