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UBP in der Presse 15.01.2018

Steht 2018 wieder unter dem Zeichen des finanziellen Glücks?

Steht 2018 wieder unter dem Zeichen des finanziellen Glücks?

Le Temps (15.01.2018) - Gönnen wir uns doch im Januar 2018 dieses Vergnügen: Nur selten in der Geschichte der Finanzmärkte hat ein Jahr unter so günstigen Vorzeichen und mit gleichermassen guter Visibilität begonnen.


«Glück ist Vergnügen ohne Reue», sagte Sokrates. Gönnen wir uns doch im Januar 2018 dieses Vergnügen: Nur selten in der Geschichte der Finanzmärkte hat ein Jahr unter so günstigen Vorzeichen und mit gleichermassen guter Visibilität begonnen. Dieser ansteckende Optimismus rührt von der bemerkenswerten Performance des vergangenen Jahres her.

Noch besser: Er wird durch eine Reihe Prognosen befeuert, die so unverschämt positiv sind, dass sich keine Wolke am Horizont abzuzeichnen vermag.

Die Schwarzmaler, die für 2017 eine Korrektur vorhergesagt hatten, wurden Lügen gestraft und zogen sich zurück. Die Anleger, die den Zug verpasst haben, raufen sich noch heute die Haare – so rosige Zeiten scheint der Bullenmarkt noch vor sich zu haben.

In den USA, wo für Aktien das neunte Haussejahr in Folge anbricht, avancierte der Dow Jones im letzten Jahr um mehr als 25%, während der S&P 500 zum ersten Mal seit seiner Auflegung 1957 in jedem der zwölf Monate des Jahres zulegte und insgesamt rund 20% kletterte. Der VIX, ein Indikator für Volatilität, wiederum spiegelte das grenzenlose Vertrauen wider. Er lag im Jahr 2017 durchschnittlich bei knapp über 11 Punkten, dem tiefsten Wert seit 25 Jahren. Auch die restlichen Regionen der Welt verzeichneten ein hervorragendes Börsenjahr, das umso aussergewöhnlicher war, als die Obligationenmärkte in diesem Zeitraum sehr stabil waren. Die Börse von Hongkong schnellte um mehr als 35% in die Höhe und Tokio überraschte mit einem Plus von 19%, während Europa die besten Performances seit 2013 einfuhr und der MSCI Index der Schwellenländer um ganze 34% hochschoss.

Seltene Einigkeit der Strategen

Was könnte zu diesem Zeitpunkt dieses idyllische Bild trüben? Praktisch nichts, wenn man den meisten Strategen glauben will. Diese waren sich in ihren Prognosen nur selten so einig. Die Parameter in der Realwirtschaft sind allesamt positiv. In den USA ist sogar von einer Rückkehr der «Goldlöckchen-Wirtschaft» (Goldilocks Economy) die Rede. Dieses märchenhafte Szenario zeichnet sich durch solides Wachstum und geringe Inflation aus, ähnlich wie das Porridge von Goldlöcken, das nicht zu heiss und nicht zu kalt, sondern einfach perfekt war. Überall auf der Welt werden die Konjunkturmotoren, die 2017 angesprungen sind, weiterlaufen: Die Erholung des Welthandels bestätigt sich, die Auftragsbücher der Unternehmen sind wieder voll, der Stellenaufbau zieht an, die Investitionen nehmen zu und der Konsum festigt sich. Die grossen Wirtschaftsblöcke werden daher 2018 von einer synchronen Beschleunigung des Wachstums profitieren, das sich gemäss IWF und OECD bei 3,7% einpendeln dürfte.

Zwar liegen die Bewertungen der Unternehmen praktisch auf dem Rekordniveau, das während der Dotcom-Blase verzeichnet wurde, und einige Beobachter fragen sich, wie hoch die anfälligsten Unternehmen verschuldet sind. Dies scheint allerdings kaum einen Analysten zu beunruhigen. Angesichts der erfreulichen Konjunktur und – in den USA – des unverhofften Bonus, den die Senkung der Unternehmenssteuer darstellt, werden die Gewinnaussichten immer wieder nach oben korrigiert.

Weich gebettete Finanzwelt

Auch an der geldpolitischen Front besteht kein Grund zur Sorge, wurde doch mit der Normalisierung der Geldpolitik der Zentralbanken weitgehend gerechnet, auch wenn die niedrige Inflation die Zinsanhebungen verzögert. Was die exogenen Risiken wie extreme klimatische Ereignisse oder geopolitische Spannungen betrifft, hat sich 2017 gezeigt, dass diese von den Finanzmärkten problemlos verdaut werden können.

Die seit der Finanzkrise 2008 von den Zentralbanken weich gebettete Finanzwelt scheint heute einen Zustand erreicht zu haben, in dem alle Voraussetzungen für finanzielles Glück und einen ewigen Bullenmarkt erfüllt sind.

Am von Michaël Mangot gegründeten «Institut de l’Economie du Bonheur» widmen sich die Forscher einer neuen Disziplin, in der die wirtschaftlichen Faktoren des subjektiven Wohlbefindens untersucht werden. So scheint es eine bestimmte Korrelation zwischen höheren Einkommen und dem Niveau des empfundenen Glücks zu geben, auch wenn dies bei weitem nicht der einzige Faktor ist, der dazu beiträgt. Die Renditen, die in den letzten Jahren auf sämtlichen Finanzanlagen erzielt wurden, und der Anstieg der Immobilienpreise schaffen also ein glücksförderndes Umfeld. Bedenkt man, dass in vielen Ländern auch die Volatilität – ein Mass für das wahrgenommene Risiko – rekordtief ist, die Inflation sich in Grenzen hält und die Arbeitslosenquote sich dem historischen Tiefstwert annähert, dann können die Anleger zu Beginn dieses Jahres gar nicht anders, als glücklich zu sein.

Allerdings ist eine differenzierte Betrachtung angezeigt und es ist nicht gesagt, dass die derzeitige Euphorie fortdauern wird.

Hält das Glücksgefühl 2018 an?

Damit dieser Glückszustand anhält, müssen zwei Faktoren gegeben sein. Ob dies 2018 jedoch der Fall sein wird, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Gemäss der 2014 von Merkle, Egan und Davies publizierten Studie «Investor Happiness» hängt das Glück bei den Investitionen davon ab, ob sich die Performanceerwartungen erfüllen, die wiederum von der vergangenen Wertentwicklung beeinflusst werden. Angesichts der Outperformance von 2017 dürfte es also schwierig werden, 2018 glücklich zu bleiben. Im Übrigen hängt das Glücksgefühl auch von der Performance der eigenen Investitionen im Vergleich zur Rendite der Anlagen der anderen ab. Der Höhenflug der Kryptowährungen oder bestimmter Technologietitel in 2017 führte tendenziell dazu, dass einige Anleger, die frustriert waren, nicht auf dieser Welle reiten zu können, und die Performance ihrer Portfolios trotz beträchtlicher Gewinne als enttäuschend empfanden, ihre Erwartungen hochschraubten. Es wird also zweifelsohne schwieriger werden, 2018 das finanzielle Glück zu finden, auch wenn der Horizont derzeit noch wolkenlos scheint.

UBP Investment Expertise

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Michel Longhini
CEO Private Banking

 

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