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UBP in der Presse 14.06.2017

Welche Europa-Politik für die Schweizer Banken?

Welche Europa-Politik für die Schweizer Banken?

Le Temps - Der mögliche Zerfall der Eurozone, den einige nach dem Ja zum Brexit für unausweichlich hielten, steht nun nicht mehr auf der Tagesordnung.


Die jüngsten Wahlen in den Niederlanden und besonders in Frankreich, wo sich Emmanuel Macron deutlich zugunsten eines stärkeren und geeinten Europas ausgeprochen hat, scheinen im Gegenteil das europäische Feuer neu entfacht zu haben. Für Grossbritannien, das seit den Parlamentswahlen der vergangenen Woche wieder in Ungewissheit versinkt, und nebenbei auch für die Schweiz, werden sich die Chancen auf bilaterale Verhandlungen also nicht konkretisieren, die sich aus einem Zusammenbruch hätten ergeben können.

Mittelfristig könnte dieser neue Schwung bei den Verhandlungen über die künftigen politischen und Handelsbeziehungen zu einer verstärkten Governance und Solidarität innerhalb Europas gegenüber Grossbritannien, aber auch der Schweiz, führen. Die Aussichten auf einen Zugang zum europäischen Markt für in der Schweiz ansässige Banken schwinden von Tag zu Tag, zumal die Gespräche zwischen Brüssel und Bern scheinbar in den Hintergrund der politischen EU-Agenda gerückt sind. Anstatt falsche Hoffnungen zu hegen, setzen die helvetischen Banken deshalb vermehrt auf Pragmatismus.

Aufbau operativer Hubs in Europa

Die Finanzinstitute vertrauen je nach Grösse und Europastrategie auf unterschiedliche Geschäftsmodelle. So haben sich die Grossbanken für die Schaffung operativer Hubs entschieden. Diese werden in Deutschland oder Luxemburg errichtet und dienen dem Management ihrer jeweiligen europäischen Bankfilialen ausserhalb der Schweiz. Die Hubs stellen einen «industriellen» Ansatz zur Betriebsoptimierung dar und stehen in keiner direkten Beziehung zu den Verhandlungen mit der EU.

Andere Banken verfolgen eine weniger ehrgeizige Strategie und konzentrieren sich auf strikt auf kommerzielle Zwecke ausgerichtete Niederlassungen, die von ihrer europäischen Tochtergesellschaft abhängen. So soll mittels weniger schwerfälliger Strukturen mit lokalem Know-how vom europäischen Pass profitiert werden, um zentralisierte Buchungsmöglichkeiten zu gewährleisten, die sich üblicherweise in Luxemburg befinden.

Banken, die nicht über die kritische Grösse verfügen, ziehen eine konservativere Option vor. Sie wollen keine europäischen Lizenzen erwerben, sondern sie werben für ihre Buchungs-Kapazitäten in der Schweiz, in Monaco oder in London, um ihren Kunden Möglichkeiten zur Diversifikation der geopolitischen und Währungsrisiken bei der Verwaltung ihrer Vermögen aufzuzeigen.

Mehr Hindernisse in Europa als in Asien

Unabhängig von der gewählten Vorgehensweise sehen sich alle Schweizer Banken mit der Frage nach ihrer Wettbewerbsfähigkeit konfrontiert – auf einem Markt, der nicht der ihre ist. Will man sich auf einem anderen als dem Heimmarkt positionieren, muss man Finanzprodukte und -dienstleistungen entwickeln, die den lokalen Gegebenheiten angepasst sind und die steuerlichen Anforderungen erfüllen. Zudem gilt es, sich an Eigenmittelvorschriften und die Bestimmungen im Steuerreporting zu halten. Verfügt man also über eine tatsächlich «lokale» Bank, erlangt man einen Vorteil.

Europa ist zum Schauplatz eines härteren Konkurrenzkampfs geworden, wo das Ausarbeiten eines wettbewerbsfähigen Angebots oder «Business Mix», als Garantie für eine nachhaltige und rentable Wachstumsstrategie, für ausländische Banken eine echte Herausforderung darstellt. Die Eintrittsschranken sind in Europa heute höher als in Asien.

Zwischen den europäischen Staaten entsteht in Bezug auf ihre steuerliche Attraktivität ein echter Wettbewerb. So lockt Portugal beispielsweise durch seine langfristigen Steuererleichterungen zahlreiche neue Bewohner aus Europa und anderswo an. Italien seinerseits hat ein Programm angekündigt, mit dem es neue Steueransässige anziehen will. Nach der Brexit-Abstimmung hat Grossbritannien klar die Einführung günstiger Steuerregelungen angekündigt. Natürlich gilt es flexibel und weitsichtig zu bleiben, um genau in jene Länder investieren zu können, die sich als nächstes Eldorado der Vermögensverwaltung erweisen könnten. Nebenbei sei noch bemerkt, dass sich das Nein zur Unternehmenssteuerreform III (USR III) vom Februar 2017 ungünstig auf die Schweiz auswirken könnte verglichen mit jenen Staaten, welche Bewohner und Unternehmen mittels neuer Steuervorteile für sich gewinnen wollen.

Vereinheitlichtes Angebot

Ob in diesem Umfeld die von den helvetischen Banken heute umgesetzten transnationalen Abdeckungen in Europa überhaupt eine Chance auf Erfolg haben, ist nicht sicher. Trotz der kulturellen Nähe und der historischen Beziehungen zu den europäischen Kunden bietet Europa heute nicht mehr die gleichen Wachstumsaussichten wie früher. Der Chancenpool hat sich in Länder verlagert, die nach Stabilität und Diversifikation streben, wie etwa die Länder im Nahen Osten oder die Schwellenländer im Allgemeinen. Nachdem die Rechtsstreitigkeiten mit dem US-Justizdepartment geregelt sind, bildet sich in den USA erneut grosses Potenzial für die Schweizer Banken. Wer über den US-Kunden angemessene, rechtliche und operative Strukturen verfügt, könnte also langfristig im Vorteil sein. / eine Länge Vorsprung haben.

Um auf Europa zurückzukommen: Anpassung und Angleichung des Angebots europäischer und helvetischer Banken sind bereits Realität. Im kommenden Jahr wird sich dieses Phänomen noch verstärken, denn die neue MiFID II-Richtlinie tritt in Kraft. Sie schreibt allen europäischen und schweizerischen Banken die Einhaltung der gleichen Regeln bezüglich Transparenz und Compliance in der Kundenbetreuung vor. Darin liegt die grösste Herausforderung beim Aufbau von langfristigen Kundenbeziehungen in Europa.

Originalversion auf Französisch lesen (.PDF)

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Michel Longhini
CEO Private Banking

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