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UBP in der Presse 23.05.2018

«Ja, ich habe mir Sorgen gemacht, doch aufgeben wollte ich nie»

«Ja, ich habe mir Sorgen gemacht, doch aufgeben wollte ich nie»

Financial Times (21.05.2018) - Interview - Der CEO der UBP spricht über die Krise 2008, Madoff und prestigeträchtige Übernahmen.


In seinem Büro am Hauptsitz der Union Bancaire Privée (UBP) an der Rue du Rhône, der grössten Einkaufsstrasse Genfs, erinnert sich Guy de Picciotto an die Worte seines verstorbenen Vaters Edgar, welcher die UBP 1969 gegründet hat.

«Er war der Ansicht, dass ihn – im Unterschied zu Lombard Odier und Pictet [die Konkurrenten seiner Bank] – niemand ernst nahm», sagt Guy de Picciotto. «Darüber hat er sich ständig beklagt, doch für mich ist das kein Problem.»

Guy de Picciotto übernahm 1998 die Leitung der Bank. Er ist stolz auf die Beziehung zur «nächsten Generation» der Kunden, welche das Familienvermögen und die Verantwortung übernehmen, so wie er es einst getan hat.

«Wir haben uns gestritten, vor allem am Anfang», erinnert er sich und lächelt. Er sagt, die neue Generation wisse persönliche Beratung immer noch zu schätzen, verlange aber auch einen regelmässigen digitalen Zugang zu den Portfolios. «Dies ist eine Herausforderung», räumt der Banker ein, der über 125 Milliarden Franken (125 Milliarden US-Dollar) wacht, die von nahezu 1700 Mitarbeitenden verwaltet werden.

Doch der digitale Wandel ist nicht die einzige Herausforderung, mit welcher der UBP-Chef konfrontiert ist. Auch der Brexit sorgt in der Schweiz für Verärgerung. Pläne müssen verworfen oder überarbeitet werden.  «Ohne Brexit würden wir auf jeden Fall London zu unserem europäischen Hauptsitz machen, doch dieser Plan muss aufgeschoben werden», meint er.

Stattdessen werden mehr Ressourcen gezielt in Luxemburg eingesetzt und wird das Geschäft in Italien, Spanien und Frankreich aufgebaut. «Für uns alle ist der Marktzugang zentral. Leider hat die Schweiz keinen Zugang zum EU-Markt im Bankensektor.»

Die Londoner Kunden, die Dienstleistungen wünschen – vor allem bei der Suche nach Immobilien und anderen Investitionen –, werden nicht im Stich gelassen.

«Wenn die Möglichkeit besteht, die Vermögensbasis durch Übernahmen auszuweiten, dann werden wir das sicherlich prüfen»

sagt er. «Wenn nicht in der Schweiz, dann auf alle Fälle in Asien, und wir müssen unsere Bank in London stärken – egal wie der Brexit ausgeht.»

Wenn sich im Genfer Bankenmilieu einer nicht vor Übernahmen scheut, dann ist dies Guy de Picciotto, der bereits auf eine Reihe beachtlicher Akquisitionen zurückblicken kann.

Zu diesen gehören die Übernahme des Schweizer Geschäfts von ABN Amro 2011, der Kauf des internationalen Private Banking von der britischen Lloyds Banking Group 2013 und die prestigeträchtigste aller Transaktionen, die Akquisition des internationalen Wealth-Management-Geschäfts der Coutts von der Royal Bank of Scotland 2016.

Das Kronjuwel war, dass die Bank Coutts, die oft mit der britischen Königsfamilie in Verbindung gebracht wird, der UBP auch ein Tor nach Asien geöffnet hat, wo in Hongkong und Singapur 250 Mitarbeitende beschäftigt werden. Durch die Übernahme erhöhten sich die Vermögen im Private Banking und Asset Management um insgesamt 14 Milliarden Franken.

«In Asien findet eine Rotation statt, grosse Banken scheiden aus dem Markt aus», meint Guy de Picciotto und bezieht sich dabei auf die Société Générale und ING, die sich vor der RBS aus dem asiatischen Markt zurückgezogen haben. «Die Kunden haben in ihren Banken nicht immer das vorgefunden, was sie erwarteten, deshalb haben wir beschlossen, ihnen ein alternatives Modell anzubieten – dasjenige einer relativ jungen Bank in Familienbesitz. Dies lockt einige neue Kunden auf unsere Plattform.»

Die Übernahmen der UBP müssen im Kontext betrachtet werden. Die Bank musste sich neu erfinden, nachdem ihr Abstecher ins Hedgefondsmanagement gescheitert war. Als 2008 die globale Finanzkrise ausbrach, verloren UBP-Kunden mit Verwaltungsmandaten und Dachhedgefonds, die in vom Betrüger Bernard Madoff verkauften Strategien investiert waren, 700 Millionen US-Dollar.

«Wir liebten Hedgefonds, nicht weil sie sexy waren, sondern weil sie eine bestimmte Performance bei einer Volatilität zu erzielen vermochten, welche die Kunden erwarteten.»

«Auch Finanzinstitute konnten diesen Investitionen nicht widerstehen. Ja, natürlich sahen wir die Warnsignale, doch am Ende ist man immer klüger.»

Guy de Picciotto ist überzeugt, dass «einige wenige Skandale» nach 2008 dieser renditestarken Anlagekategorie arg zugesetzt haben.

Die UBP kann von sich behaupten, ihren Kunden beigestanden zu sein. Sie bot ihnen an, sie für die Hälfte allfälliger Anlagen in Madoff-Produkte zu entschädigen, und erklärte sich bereit, dem Treuhänder für Madoff-Opfer im Jahr 2010 500 Millionen US-Dollar zu zahlen.

Die Anleger stimmten mit den Füssen ab, als der Wert der von der UBP verwalteten Hedgefonds von 60 Milliarden US-Dollar 2007 – zum damaligen Zeitpunkt war die Bank der grösste Dachhedgefonds-Player weltweit – auf 25 Milliarden US-Dollar 2010 zurückging und die Gewinne gleichermassen einbrachen.

Die von der Bank insgesamt verwalteten Vermögen fielen ebenfalls, und zwar von 121 Milliarden US-Dollar 2007 auf 69 Milliarden US-Dollar 2010, erholten sich aber, als sich das Institut wieder auf traditionelle Anlagen konzentrierte.

«Nachdem die Hedgefondsblase geplatzt war, haben wir ein neues institutionelles Geschäft mit Long-only-Produkten aufgebaut – das war die grösste Veränderung», sagt der CEO der UBP. Der Verkauf von Fondsprodukten an Versicherungsgesellschaften und Konkurrenzbanken ist seines Erachtens aussichtsreicher als der Direktvertrieb an Privatkunden. «Dieses Geschäft war ziemlich klein, als wir noch Hedgefonds im Angebot hatten, beläuft sich mittlerweile aber auf nahezu 40 Milliarden US-Dollar.»

«Steigende Volatilität bedeutet auch, dass die verteufelten strukturierten Produkte wieder in Mode kommen. Damit kann eine Investmentidee leicht umgesetzt und unseren Kunden angeboten werden», meint er. «In einer Zeit sehr niedriger Zinsen können so Renditen generiert werden.»

Doch nicht nur Madoff hat der UBP ein Hindernis in den Weg geworfen. Auch die US-Behörden bereiteten den Schweizer Banken nach der Finanzkrise grosse Schwierigkeiten, da Washington auf der Suche nach Sündenböcken war, die man bezichtigen konnte, US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben.

Die UBP einigte sich im Rahmen des US-Programms für Schweizer Banken mit dem US-Justizdepartment auf eine Vergleichszahlung von 188 Millionen US-Dollar. 2016 wurde ein Non-Prosecution Agreement unterzeichnet. «Alle grossen Banken hatten aufgrund von Madoff und der Finanzkrise Probleme. Es war ein Jahrzehnt tiefgreifender Veränderungen und grosser Turbulenzen. In dieser Zeit fanden auch Übergriffe der US-Behörden auf amerikanische Kunden in der Schweiz statt», erinnert sich Guy de Picciotto.

Er zählt die Gründe auf, die ihm schlaflose Nächte bereiteten. «All das raubte mir den Schlaf, doch in keinem einzigen Moment wäre mir in den Sinn gekommen, aufzugeben», sagt er. Im Gegenteil – die Kritiker des Schweizer Systems spornten ihn an.

«Habe ich in den letzten zehn Jahren je gedacht, das Spiel sei vorbei? Nie!

Und schon früh erkannte ich, dass sich uns neue Gelegenheiten eröffnen werden und ich in der Lage sein werde, unsere verlorengegangenen Hedgefondsvermögen zu ersetzen, aber zu einem günstigeren Preis.

Mir fällt keine andere Branche ein, die mit so vielen Herausforderungen und Veränderungen konfrontiert war und der es gelungen ist, nicht nur zu überleben, sondern auch zu expandieren.»

Interview auf Englisch (.pdf)

Source: Interview by Yuri Bender, 2018, Financial Times, 21 May, "Yes, I worried but I never wanted to give up". Used under licence from the financial Times. All Rights Reserved. "UBP is solely responsible for providing this translated content and The Financial Times Limited does not accept any liability for the accuracy or quality of the translation.”

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