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UBP in der Presse 09.04.2018

Datenvertraulichkeit steigt wieder im Kurs

Datenvertraulichkeit steigt wieder im Kurs

Le Temps (09.04.2018) - Eine weitere Krise bei Facebook: ein Skandal zu viel? Das weltweit führende soziale Netzwerk, das bereits bezichtigt wurde, die Verbreitung von Fake News zu begünstigen, wird sich wohl kaum ohne Zugeständnisse aus der Schusslinie nehmen, in die es Mitte März geraten ist.


Die Enthüllungen über die unlautere Beschaffung von Facebook-Nutzerdaten durch Cambridge Analytica und deren mögliche Nutzung im Wahlkampf von Donald Trump haben den Aktienkurs an der Wall Street absacken lassen.

Das soziale Netzwerk kann noch so sehr behaupten, es sei empört darüber, getäuscht worden zu sein, die ersten Verlautbarungen seines Gründers vermochten das Misstrauen nicht zu zerstreuen, das ein bisher unbekanntes Ausmass erreicht hat. «Wir müssen sicherstellen, dass es keine weiteren Cambridge Analyticas da draussen gibt», erklärte Mark Zuckerberg, als er vor dem US-Kongress, dem Europäischen und britischen Parlament aussagen musste. Um den Brand zu löschen, wird Facebook nicht darum herumkommen, mehr Transparenz in Sachen Nutzung der persönlichen Daten an den Tag zu legen, und könnte mittelfristig auch unter verschärfte Aufsicht gestellt werden. «Die aktuelle Situation ist so prekär und weitreichend, dass eine Regulierung wahrscheinlich notwendig ist», meinte Apple-Chef Tim Cook.

„Der neue Strom“

Die Cambridge-Analytica-Affäre führt uns ganz deutlich vor Augen, wie heikel es ist, unser Leben in den sozialen Netzwerken und generell im Internet zur Schau zu stellen. Wenn wir bei jedem unserer Internet-Besuche oder beim Kontakt mit einem verbundenen Gerät – bewusst oder unbewusst – Bruchstücke unserer persönlichen Daten preisgeben, stellen wir uns selber potenzielle Fallen.

Persönliche Daten sind im Getriebe unserer Volkswirtschaften und Gesellschaften zentral. Sie gehören zu deren wertvollsten Ressourcen, sind mit den Worten des Whistleblowers, der den Cambridge-Analytica-Skandal ins Rollen brachte, «der neue Strom» des 21. Jahrhunderts. Je leistungsfähiger die künstliche Intelligenz und die Computer werden, desto mehr Daten werden unsere Gesellschaften produzieren und desto stärker wird auch das Interesse an diesen Daten sein. Dadurch werden nicht nur die Möglichkeiten zur nützlichen Verwendung (medizinische Forschung, neue Dienstleistungen usw.), sondern auch zum Hacking und Missbrauch dieser Informationen zunehmen. Dies lässt sich allein schon daran erkennen, bei wie vielen Urnengängen in letzter Zeit – sei es bei den Präsidentschaftswahlen in den USA und in Frankreich oder bei der Abstimmung über den Brexit – der starke Verdacht aufkam, die Meinungen könnten von aussen manipuliert worden sein.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Schutz der persönlichen Daten entscheidende Bedeutung zu. Gemäss der Definition des französischen CNRS (Centre national de la recherche scientifique) muss sich dieser auf sieben Grundprinzipien stützen: Zweckbestimmung, Verhältnismässigkeit, Relevanz, Aufbewahrungsdauer, Sicherheit und Vertraulichkeit, Transparenz sowie Einhaltung des Personenrechts. In den USA konnte sich die Branche, die sich – wie Facebook mit seinen zwei Milliarden Nutzern – auf die Auswertung dieser Daten spezialisiert hat, ohne selbst auferlegte Regeln und rechtliche Leitplanken entwickeln.

In Europa hingegen wird Missbrauch sehr ernst genommen. Dies belegt die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU, die nächsten Mai in Kraft tritt. Sie soll einerseits die Rechte der von der Verarbeitung personenbezogener Daten betroffenen Personen (Recht auf Zugang, auf Vergessenwerden, auf Datenübertragbarkeit usw.) stärken, nimmt andererseits aber auch die Unternehmen in die Verantwortung, die Daten erheben.

Datenvertraulichkeit als Schweizer Grundwert

Wenn es ein Land gibt, dem die Vertraulichkeit noch mehr am Herzen liegt als allen anderen, dann ist dies sicherlich die Schweiz, die diese hohe Gut zu einem ihrer Grundwerte erklärt hat. Dass die Gesellschaft in einer Welt, welche von Philosophen als «Diktatur der Transparenz» bezeichnet wird, enormen Wert auf die Achtung der Privatsphäre legt, zeigt sich daran, dass sich die Politik nach hitzigen Debatten letztlich doch für die Beibehaltung des Bankkundengeheimnisses für Schweizer Kunden ausgesprochen hat, nachdem sie dieses für ausländische Kunden aufgeben musste.

Dieser Zwiespalt deutet auf zwei – offensichtlich widersprüchliche – Anforderungen hin, die das Private Banking heute erfüllen muss: Transparenz und Datenschutz. Einerseits haben die Banken enorme Summen investiert, um für den automatischen Informationsaustausch gerüstet zu sein und die von den Steuerbehörden verlangten Daten erheben und abliefern zu können. Aber auch die Auflagen im Bereich «Know-your-Client» zwingen die Finanzinstitute, verschiedenste Informationen zu sammeln, beispielsweise zur Herkunft der Vermögen der Kunden oder zu deren Risikowahrnehmung und Finanzkenntnissen. Andererseits haben die Banken noch nie so hohe finanzielle Mittel und materielle Ressourcen aufgewendet, um die Integrität und den Schutz der Daten ihrer Kunden zu garantieren.

Schutz der Privatsphäre

Ist dies paradox? Ganz und gar nicht. Während das Geschäftsmodell von Facebook auf der Vermarktung der Daten seiner Nutzer beruht, ist jenes der Privatbank diametral entgegengesetzt ausgerichtet, d.h., sie muss innerhalb des gesetzlichen Rahmens die Vertraulichkeit ihrer Kundendaten gewährleisten können. In einer Welt, in der immer mehr persönliche Daten erhoben, zusammengestellt und vermarktet werden, steigt der Datenschutz wieder im Kurs, und zwar noch stärker als die Daten selbst. Der Schutz der Privatsphäre und die Regulierung von Big Data werden noch eine ganze Weile das beherrschende Thema sein.

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Michel Longhini
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