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UBP in der Presse 30.11.2016

Genfer Bank UBP wettet auf Trump

Genfer Bank UBP wettet auf Trump

NZZ am Sonntag - Privatbankier Guy de Picciotto empfiehlt Investitionen in den USA und übt Kritik an Europa


Interview: Sebastian Bräuer, Daniel Hug
Photos: Michele Limina


Sein Vater machte UPB zu einer der grössten Schweizer Privatbanken.

Guy de Picciotto will jetzt auch in Asien expandieren. Guy de Picciotto leitet die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée seit 1998. Zur Illustration, welch langer Zeitraum das ist, genügt die Feststellung, dass im gleichen Jahr in Deutschland Gerhard Schröder Bundeskanzler wurde. Im Bankensektor kommen 18 Jahre noch mehr einer Ewigkeit gleich. 1998 war das Jahr, in dem durch die Fusion von SBG und SBV die heutige UBS entstand.

Der 56-Jährige ist von seinem Habitus her kein typischer Banker, sondern fallt durch sein quecksilbriges Temperament auf. Seiner Bank ist gelungen. Woran andere Finanzhäuser derzeit verzweifeln: schnell genug zu wachsen, um eine kritische Grösse zu erreichen. Vor allem dank Zukäufen verwaltet UBP heute 113,5 Mrd. Fr. Auch am Bankenplatz Zürich hat sie unter Standortchef Peter Schmid Boden gutgemacht. Hier haben sich die verwalteten Vermögen innerhalb von etwa zehn Jahren sogar versechsfacht. Allerdings hatte der Expansionskurs seinen Preis. Der Madoff-Skandal traf UBP hart. Auch das Geschäft mit unversteuerten US-Geldern endete schmerzhaft, UBP musste eine Busse von 188 Mio. $ akzeptieren.

Genug von den USA hat de Picciotto keineswegs. Er will dort mit Lizenz der Börsenaufsicht SEC wieder verstärkt um Kunden werben. Bedenken wegen der Wahl Donald Trumps teilt er nicht. «Ich erwarte, dass Trump wie angekündigt Steuern senkt und in die Infrastruktur investiert, was das Land dringend nötig hat», sagt er. «Das wird die amerikanische Wirtschaft beleben. Und was gut für die USA ist, ist auch gut für Europa. Ich bin optimistisch.»

Selbst Trumps Ankündigungen, den Freihandel einzuschränken, sieht de Picciotto gelassen entgegen. Dass der künftige US-Präsident der Globalisierung Leitplanken setzen wölle, entspreche der Forderung vieler Bürger, auch in anderen Ländern. Angedrohte Strafzölle von 45% seien nicht mehr als eine Verhandlungsposition. Hoffnungen auf einen starken US-Aufschwung sind derzeit keineswegs Konsens. Am Tag des Interviews, das de Picciotto am Zürcher UBP-Sitz gibt, warnt die Europäische Zentralbank, wegen der politischen Unsicherheiten in den USA drohten Turbulenzen an den Finanzmärkten. De Picciotto sieht es anders. «Ich empfehle, jetzt amerikanische Aktien zu kaufen», sagt er, obwohl die US-Indizes bereits Höchststände erreicht haben. Mit Anleihen solle man wegen der steigenden Inflation vorsichtiger sein.

Der Dollar werde aber weiter steigen. In Europa seien die Probleme viel grösser, nicht nur wegen des Brexit und der anstehenden Wahlen, sondern auch wegen des politischen Systems. De Picciotto sieht in Europa ein Führungsvakuum. «Wer regiert in Brüssel?», fragt er rhetorisch. «Wer könnte Veränderungen bewirken?»

In den 1950er Jahren kam Guy de Picciottos Vater Edgar aus Libanon über Italien in die Schweiz. Jahrzehntelang war er die prägende Figur der Bank, bis zu seinem Tod im März. Er zeichnete sich dadurch aus, Trends in der Finanzbranche früh zu erkennen. So gehörte er zu den Ersten, die auf Hedge-Funds setzten. An die Börse zu gehen. schliesst nun auch sein Sohn aus: UBP soll in Familienhand bleiben. «Für Vermögensverwalter ist es inkompatibel, zu vierteljährlicher Berichterstattung und kurzfristiger Ertragsoptimierung gezwungen zu sein, wenn man gleichzeitig im Interesse der Kunden langfristig handeln soll», sagt er. «Überdies brauchen Vermögensverwalter nicht viel Kapital, um ihr Geschäft zu betreiben.»

De Picciottos Bruder und Schwester sitzen im Verwaltungsrat der Bank. Schon deswegen lehnt der UBP-Chef einen Vergleich mit der Zürcher Privatbank Vontobel ab. Dort sind die Besitzverhältnisse langfristig in einem Aktionärsbindungsvertrag geregelt. Die Familie Vontobel besitze eine Bank, sagt de Picciotto. Seine Familie besitze die Bank nicht nur, sondern führe sie auch. «Vielleicht brauchen wir eine formalisiertere Vereinbarung innerhalb der Familie, wenn die dritte Generation in das Unternehmen eintritt», sagt de Picciotto. Er hoffe jedoch, das nicht mehr erleben zu müssen.

Im laufenden Jahr sieht de Picciotto die UBP auf gutem Weg, den Gewinneinbruch auf nur 25 Mio. Fr. aus dem Vorjahr zu revidieren. Schuld seien die US-Busse und Integrationskosten nach dem Kauf der Privatbank Coutts gewesen. Im ersten Halbjahr 2016 war der Gewinn 13% höher als im Vorjahreszeitraum. 2017 geht es für de Picciotto darum, die Coutts-Integration abzuschliessen. Ausserdem will er in ausgewählten Märkten in Osteuropa, im Nahen Osten und in Lateinamerika Teams anwerben - und die Profitabilität in Asien erhöhen. «Mit Assets von 10 Mrd. schreiben wir dort gerade einmal eine schwarze Null», sagt er. Asienchef Michael Blake hat angekündigt, die Assets zu verdoppeln. Darauf angesprochen, sagt de Picciotto. «Er muss sich hohe Ziele setzen, das ist die Kultur der UBP.»

"Ich erwarte, dass Trump wie angekündigt Steuern senkt und in die Infrastruktur investiert, was das Land dringend nötig hat"


Steuertransparenz

US-Banken werben Kunden ab

«Es gibt spürbare Abflüsse In die USA», sagt UBP-Chef Guy de Picciotto. Begründet werde die Verschiebung oft mit dem Argument, die USA nähmen nicht am automatischen Informationsaustausch teil. «Die USA sind ein starker Konkurrent für uns.» Davon abgesehen gehe es der Branche in der Schweiz besser als oft dargestellt. «Der Nettozufluss war in den letzten Jahren positiv. » Viele Beobachter hätten Schweizer Privatbanken den Untergang prophezeit. Doch jede globale Krise helfe der Branche. (smb.)


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